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Kommunikation mit Lernenden „Wie meinst du das?“

 

„Wie meinst du das?“

Kommunizieren ist schwierig. Dennoch wissen die meisten Berufsbildenden erst, dass sie Mühe damit haben, wenn sie mit Lernenden reden. Jugendliche sind in ihrer Akzeptanz oder Ablehnung der Kommunikation mit Berufsbildenden oft sehr ehrlich. Mit Lernenden muss man richtig kommunizieren, sonst lassen sie einen stehen, wörtlich oder im übertragenen Sinn. Kommunikation mit Jugendlichen ist möglicherweise die lehrreichste, ehrlichste und dynamischste Kommunikation die es gibt.

Wir nehmen die Thematik Kommunikation zum Anlass, in einem tägigen Seminar den Geheimnissen des eigenen Gesprächsverhaltens auf die Spur zu kommen und neue Horizonte im Dialog mit Lernenden zu eröffnen:

 

 

Nicht schweigsamer, aber anders

Sich mit Freunden zum Fussballtraining verabreden, den Eltern Bescheid geben, warum es später wird – Jugendliche greifen dafür nicht zum Hörer und telefonieren – sie tauschen sich vor allem über SMS und soziale Netzwerke aus. Nur drei Prozent der Kommunikation findet noch über Telefonanrufe statt. Sogar E-Mail schreiben ist out. Daraus zu schliessen, dass junge Menschen ihre Stimme verlieren und weniger kommunizieren ist aber ein Pauschalurteil.

Jugendliche haben Freunde, die sie in der Schule und Freizeit treffen, denen sie sich anvertrauen. Sie kommunizieren nur anders – über soziale Netzwerke erweitern und vertiefen sie diese Beziehungen.

Gehirn «einschalten»:

Bei Jugendlichen ist Kommunikation oft schwierig, weil ihre verbalen Fertigkeiten noch nicht vollständig entwickelt sind. Berufsbildende neigen dazu, in der Kommunikation mit Jugendlichen deren Gehirn auszuschalten. Sie tun dies indem sie erzählen und nicht einladend zuhören und fragen. Oft sagen Berufsbildende, wie sie etwas finden und hören den Erzählungen der Jugendlichen selbst nicht gut zu, weil sie viel zu sehr damit beschäftigt sind, das eigene Anliegen loszuwerden. Jugendliche haben häufig das Gefühl, wie kleine Kinder behandelt zu werden, die nicht denken können. Sie sind der Meinung, dass Berufsbildende oft «predigen».

Wichtig ist, das Gehirn des anderen «einzuschalten». Jugendliche lassen sich nur zu gern darauf ein, und so kann ein enger Kontakt hergestellt werden. Die Frage ist also, wie wir kommunizieren und dafür sorgen können, dass die Jugendlichen über die notwendigen Informationen verfügen. Dazu darf der Berufsbildende nicht einfach sein Wissen «ablassen», sondern muss den Denkprozess des Jugendlichen mittels Fragen begleiten. Dieses Vorgehen schärft auch das eigene Denken und Kommunikation mit Lernenden bekommt eine ganz neue Qualität.

Tipp:

Versuchen Sie, sich darauf einzustellen, beim nächsten Gespräch mehr Fragen zu stellen, als selbst etwas zu erzählen. Untersuchen Sie im Anschluss den Wert des Gesprächs für Sie persönlich und den Lernenden.

Der kluge Jugendliche

Die Pubertät ist eine interessante und spannende Phase. Die intellektuellen Fähigkeiten Jugendlicher nehmen stark zu. Sie erleben einen Sprung im Denken. Ihr Gehirn kann mehr fassen als zuvor. Die wichtigste Veränderung im Gehirn ist, dass zwischen den Hirnzellen mehr Verbindungen hergestellt werden. Dadurch können die Informationen der verschiedenen Zellen in grössere Zusammenhänge gebracht werden und damit die Fähigkeit zur Übersicht über ein Ganzes erhöht werden. Es kommt häufig vor, dass Menschen während der Adoleszenz zu wichtigen Einsichten gelangen, die Grundlage ihres späteren Lebens werden.

Da Jugendliche ziemlich plötzlich zu diesem grossen intellektuellen Sprung ansetzen, sind sie oft noch ungeschickt im Umgang mit ihren neuen Möglichkeiten. Es ist wichtig, die erworbenen intellektuellen Fähigkeiten zu trainieren. Indem sie sich äussern, fühlen sie Jugendliche buchstäblich und im übertragenen Sinne «angehört». Im Verlauf des Gesprächs werden sie oft selbst die Argumente nennen, die Berufsbildende ihnen haben vorhalten wollen. Diese Argumente äussern sie nun allerdings aus ihrer eigenen Sicht, weshalb sie bedeutend effektiver sind.

Tipp:

Führen Sie ein Gespräch mit einem Lernenden und konzentrieren Sie sich auf seine Geschichte. Beobachten Sie, wie sich der Lernende dabei fühlt.

Optimistische und leichte Kommunikation mit Jugendlichen Kommunikation mit Jugendlichen ist deutlich und schnörkellos

Gute Kommunikation braucht eine Haltung des Respekts und der Bescheidenheit.

Die eigene Sachkenntnis des Heranwachsenden muss respektiert werden.

 

Tipp:

Untersuchen Sie bei sich selbst, was Sie unter Respekt verstehen. Diskutieren Sie mit anderen darüber, was Respekt bedeutet

 

1. Der Gesprächsaufbau
Es gibt verschiedene Gesprächsarten, die auf drei Formen zurückzuführen sind: offenes Fragegespräch, Interview und Fürsorgegespräch. In Gesprächen kommen oft viele verschiedene Aspekte zum Tragen. Ein spontanes offenes Fragegespräch kann beispielsweise auch den Charakter eines Fürsorgegesprächs annehmen.

Offenes Fragegespräch Das Ziel ist der Austausch von Meinungen und Gefühlen mit Jugendlichen.
Interview Ist ausschliesslich darauf ausgerichtet, vom Jugendlichen Informationen zu einem bestimmten Thema zu erhalten.
Fürsorgegespräch Zielt darauf ab, dem Jugendlichen Hilfe anzubieten.

 

2. Fragetechniken und Tonfall
In der Gesprächsführung werden verschiedene Fragetechniken angewendet, welche unterschiedliche Funktionen einnehmen. Manche eigenen sich dazu, ein Gespräch in Gang zu setzen oder es am Laufen zu halten. Andere haben die Eigenschaft, Missverständnisse zu vermeiden oder wieder auszubügeln. Wieder andere Fragetechniken helfen ein Gespräch abzurunden und erfüllen in den verschiedenen Gesprächsphasen unterschiedliche Funktionen.

Der Ton, wie eine Frage gestellt wird, ist von grosser Bedeutung. Sonst kann ein harmloses Fragegespräch oder ein Interview schnell zu einem Verhör werden und der Jugendliche macht zu.

Tipp:

Formulieren Sie eine Frage. Verdeutlichen Sie diese Frage anschliessend.Variieren Sie den Ton von begeistert bis verärgert. Versuchen Sie zu erfahren, wie unterschiedlich die Frage je nach Ton ankommt.

2. Körpersprache
Wichtig sind die Beobachtung dessen, was der Gesprächspartner tut, sein Gesichtsausdruck, der Ton des Gesagten, die Betonung, Der Geruch, die Bewegung, seine Körperhaltung und Augenkontakt.

Bei Jugendlichen hängen nonverbale Signale oft mit der Motivation für das Gespräch zusammen. Daher ist es wichtig auf Widerstandssignale zu achten. Auch fühlen sie sich in der Kommunikationssituation mit Berufsbildenden häufig unsicher. Sie möchten sicher wirken, wissen aber so vieles noch nicht. Sie finden es unangenehm, dies zu erkennen und schweigen lieber. Ältere Lernende senden auch Zeichen von Ungeduld über die Kommunikation aus. Ihrer Ansicht nach erklären Berufsbildende alles zu ausführlich und viel zu simpel, wodurch sie sich «für dumm verkauft» fühlen und ungeduldig auf die Fortsetzung des Gesprächs drängen, ohne überflüssige Erklärungen. Es ist wichtig, diese Ungeduldssignale wahrzunehmen und entsprechend zu handeln.

Tipp:

Beobachten Sie verschiedene Gespräche und beurteilen Sie die nonverbalen Äusserungen wie Ton, Stimme, Augenkontakt, Körperhaltung.

3. Metakommunikation
Verläuft ein Gespräch zäh und kommt eine Frage falsch an, merken wir das meist intuitiv. Wir neigen allerdings oft dazu, in dem Moment nicht auf unsere Intuition zu hören und einfach weiterzumachen, weswegen das Gespräch oft noch zäher wird. Möglicherweise vertrauen wir nicht auf unsere Intuition, weil wir sie gegen uns selbst interpretieren und gern die Augen davor verschliessen. Wir denken vielleicht, dass der Jugendliche nicht mit uns reden möchte, uns nicht nett findet oder Ähnliches. Mit sich selbst beschäftigt zu sein oder, besser gesagt, mit der Beurteilung der eigenen Person sorgt dafür, dass man dem Jugendlichen nicht mehr offen gegenübersteht. Ungute Gefühle verhindern den Ausgang eines guten Gesprächs. Es ist respekt- und sinnvoller, die zäh verlaufende Kommunikation auf der Metaebene zu thematisieren. (Quellenhinweis: www.beltz.de)

 

Aktualisiert am Januar 11, 2018

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